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3 einfache Schritte, um Wildtriebe am Baumstamm zu entfernen

Hände mit Handschuhen arbeiten im Garten, schneiden einen Baum. Schaufel und Pinsel liegen daneben, Schubkarre im Hintergrund

Sie ermüden langsam und senden kleine Warnsignale direkt zu ihren Füßen.

Diese zähen kleinen Triebe am Fuß Ihres Apfel- oder Birnbaums wirken harmlos, fast hoffnungsvoll. Doch sie stehlen leise Energie, verschieben das Gleichgewicht des Baumes und können mit der Zeit Jahre sorgfältigen Schnitts zunichtemachen.

Warum Wurzelschösslinge einen gesunden Baum unbemerkt ruinieren können

Bei den meisten Obstbäumen aus dem Gartencenter ist der sichtbare Baum nur die halbe Geschichte. Über der Erde steht die Sorte, die Sie gewählt haben: Apfel ‘Gala’, Birne ‘Conference’, Pflaume ‘Victoria’. Unter der Erde sitzt jedoch eine andere Pflanze: die Unterlage, ausgewählt nach Wuchskraft, Widerstandsfähigkeit und Anpassung an örtliche Bedingungen.

Die kräftigen Triebe, die rund um die Basis austreiben, stammen meist von der Unterlage – nicht von der Sorte, für die Sie bezahlt haben. Sie tragen die genetischen Eigenschaften dieser Unterlage, die oft schneller, höher und aggressiver wächst als der veredelte Teil.

Wurzelschösslinge ziehen Saft ab, schwächen das fruchttragende Holz und können am Ende die von Ihnen gepflanzte Sorte durch einen groberen, weniger schmackhaften „Ersatz“ verdrängen.

Züchter wählen Unterlagen, weil sie gut bewurzeln und stark antreiben. Genau dieser Wachstumsdrang macht sie auch anfällig dafür, Schösslinge zu bilden – besonders unter Stress: Schäden durch Rasentrimmer, Trockenheit, starker Rückschnitt oder Frost können alle einen Schub an Neuaustrieben auslösen.

Lässt man sie wachsen, konkurrieren diese Triebe direkt mit den fruchttragenden Ästen. Sie fangen Wasser und Nährstoffe ab, bevor sie die Kurztriebe und Blütenknospen erreichen. Die Erträge sinken, die Fruchtqualität leidet, und der Baum investiert mehr in Holz als in Blüte.

So erkennen Sie einen Schössling der Unterlage

Zu wissen, was geschnitten werden muss, beginnt damit, zu wissen, was man vor sich hat. Schösslinge und Triebe am Stamm unterscheiden sich in mehreren Punkten von der veredelten Sorte:

  • Sie beginnen meist unterhalb der Veredlungsstelle, oft direkt auf oder knapp unter Bodenniveau.
  • Die Blätter können in Form, Farbe oder Glanz leicht abweichen.
  • Sie wachsen steiler und mit stärkerem, schnellerem Zuwachs als der Rest des Baumes.
  • Sie bilden häufig dichte Büschel statt gut verteilte Verzweigungen.

Bei älteren Bäumen kann die Veredlungsstelle verdickt oder leicht „geknickt“ wirken. Alles, was darunter austreibt, gehört fast immer zur Unterlage und muss entfernt werden.

Schritt 1: Basis freilegen und bis zum Ursprung zurückschneiden

Viele Gärtner schneiden Schösslinge reflexartig auf Bodenniveau ab. Das macht das Problem meist schlimmer: Sie „kappen“ sie nur, und die Unterlage wird angeregt, zwei oder drei neue Triebe als Ersatz zu schicken.

Arbeiten Sie stattdessen vorsichtig rund um den Stammfuß. Ziehen Sie mit den Händen oder einer kleinen Handgabel Erde, Mulch oder Gras zurück, bis Sie genau sehen, wo jeder Schössling entspringt.

Je näher Sie am tatsächlichen Ursprung schneiden, desto weniger Energie steckt die Unterlage in das erneute Austreiben dieses Schösslings.

Wenn die Basis frei ist, nehmen Sie jeden Trieb einzeln und verfolgen ihn bis zum Ansatz an einer Wurzel oder am Stammfuß (Wurzelanlauf). Verwenden Sie eine Gartenschere, deren Klinge ruhig etwas stumpf werden darf – Erde und kleine Steinchen verkratzen sie.

Schneiden Sie jeden Schössling so dicht wie möglich an der Wurzel oder am Ansatz ab, ohne einen Stummel stehen zu lassen. Ein sauberer, dichter Schnitt heilt schneller und bietet weniger Knospen, aus denen die Unterlage erneut austreiben kann.

Wann Sie diesen ersten Schritt durchführen sollten

Schösslinge können Sie fast jederzeit entfernen, solange der Boden bearbeitbar ist. Viele Erwerbsobstbauern bevorzugen das späte Frühjahr oder den Frühsommer. Dann sind neue Triebe noch weich, und man erkennt gut, welche besonders wüchsig sind und welche zum Fruchtgerüst gehören.

Vermeiden Sie Arbeiten bei gefrorenem Boden oder während extremer Trockenheit. Stark gestresste Bäume reagieren heftiger, und Sie können danach einen stärkeren Schub neuer Schösslinge auslösen.

Schritt 2: Wurzeln schützen und keine neue Wuchsreaktion provozieren

Gehen Sie beim Freilegen der Basis schonend mit dem Wurzelbereich um. Bei vielen Obstbäumen liegen Wurzeln nah an der Oberfläche – besonders bei schwach wachsenden Unterlagen – und sie reagieren empfindlich auf grobe Behandlung mit Spaten oder Hacke.

Frische Schnitte und Schrammen an Wurzeln wirken wie offene Einladungen für neue Schösslinge. Jede Verletzung aktiviert schlafende Knospen. Ein einziger unachtsamer Spatenstich kann in der nächsten Saison einen ganzen Ring neuer Triebe hervorbringen.

Sehen Sie den Wurzelbereich als lebendiges Netzwerk: Wird er vernarbt, versucht er zu heilen, indem er mehr Wachstum bildet – oft genau dort, wo Sie es nicht wollen.

Nutzen Sie Handwerkzeuge statt schwerer Grabewerkzeuge, und hören Sie auf, sobald der Ursprung jedes Schösslings sichtbar ist. Arbeiten Sie langsam um den Baum herum, statt von einer Seite „anzugreifen“. Wenn Sie eine Wurzel versehentlich beschädigen, schneiden Sie sie sauber bis in gesundes Gewebe zurück – das heilt besser als ein gequetschter oder eingerissener Rand.

Nach dem Entfernen eines Schösslings dichten manche Gärtner größere Wunden mit Wundverschluss oder Veredelungswachs ab. Das kann die Austrocknung des freiliegenden Gewebes reduzieren und Infektionen verlangsamen. Bei kleinen, haarfeinen Schnitten sind saubere Schnitttechnik und eine gute Bodenstruktur meist wichtiger als ein Anstrich.

Wie Bodenverhältnisse Schösslinge beeinflussen

Verdichteter, staunasser oder schlecht drainierter Boden bringt Bäume häufig in Stress – inklusive Notwachstum wie Schösslingen. Umgekehrt fördert ein weiter, lockerer, gemulchter Kreis um den Stamm eher feine Saugwurzeln statt dicker, aggressiver Wurzeln, die Triebe nach oben schicken.

Nach der Arbeit die Erde locker an den Stammfuß zurückgeben, ohne den Stamm zu „vergraben“. Mulch nicht direkt an die Rinde legen. Dauerhafte Feuchtigkeit am Stamm schwächt das Gewebe und kann weitere Stressreaktionen auslösen.

Schritt 3: Triebe am Stamm und „Wasserschosse“ schnell entfernen

Schösslinge von der Basis sind nur die halbe Geschichte. Viele Obstbäume bilden auch kräftige, senkrechte Triebe direkt am Stamm oder an Hauptästen. Im Erwerbsanbau nennt man sie Wasserschosse (häufig fälschlich ebenfalls „Schösslinge“).

Diese Triebe sind meist eine Folge von starkem Rückschnitt, Sturmschäden oder einem plötzlichen Nährstoffschub. Sie wachsen oft schnell, dick und kerzengerade – mit wenig Neigung zum Fruchten.

Die beste Zeit, Triebe am Stamm zu entfernen, ist, wenn sie jung, weich und leicht auszubrechen oder sauber abzuschneiden sind.

Verwenden Sie scharfe Gartenscheren und schneiden Sie jeden Trieb bündig am Astring, entlang der natürlichen Verdickung am Ansatz. Keine Zapfen stehen lassen: Diese Stummel sterben zurück und können faulen, was Krankheiten ins Bauminnere einlädt.

Wenn Sie sie sehr früh erwischen, können Sie sie im späten Frühjahr beim Austrieb einfach mit dem Daumen wegreiben. Dieser leichte Eingriff stört die Knospen, bevor daraus ein richtiger Trieb wird, und der Baum lenkt seine Energie zurück in etablierte Äste und Fruchtspieße.

Wie oft sollten Sie diese drei Schritte wiederholen?

Bei einem frisch gepflanzten Baum sollten Sie zwei- bis dreimal pro Jahr nach Schösslingen schauen. Junge Unterlagen treiben kräftig, bis die Krone sie beschattet und dominiert.

Mit zunehmendem Alter reicht oft einmal pro Jahr. Viele erfahrene Gärtner gehen im Frühsommer mit der Schere über ihr Grundstück, prüfen Stammfüße und Stämme auf unerwünschten Austrieb und entfernen ihn sofort.

Was passiert, wenn Sie Schösslinge mehrere Jahre ignorieren?

Unbeachtet können Schösslinge den Charakter des Baumes vollständig verändern. Die Unterlage kann eine eigene Krone neben oder sogar über dem veredelten Teil aufbauen. Am Ende steht ein verwirrender, mehrstämmiger Baum: ein Teil trägt gutes Obst, ein anderer bringt harte, bittere oder nur zierende Früchte.

Szenario Wahrscheinliche Folge
Gelegentliche kleine Schösslinge nur auf Bodenniveau abgeschnitten Wiederholtes Austreiben, dickere Ansätze, jedes Jahr mehr Triebe
Schösslinge mehrere Saisons stehen lassen Unterlagenäste konkurrieren mit der veredelten Krone, weniger Fruchtansatz
Unterlagenwuchs dominiert die Krone Verlust der Sorte, schlechte Fruchtqualität, höherer und schwerer zu pflegender Baum

Im Extremfall kann die ursprüngliche Sorte nahezu verschwinden. Dann wundern sich Gärtner, warum ihr „Gala“ plötzlich kleine, saure Äpfel trägt. In Wirklichkeit hat die Unterlage übernommen, und der veredelte Teil ist zurückgegangen oder abgestorben.

Wie Sie Schösslinge von vornherein reduzieren

Gute Pflanzung und Pflege begrenzen die Schösslingsbildung. Beim Setzen eines jungen Baumes muss die Veredlungsstelle deutlich über dem Boden bleiben und darf niemals eingegraben werden. Wenn Sie Erde oder Mulch über diesen Punkt anhäufeln, kann der Edelteil oberhalb der Veredlung eigene Wurzeln bilden – oder die Unterlage reagiert mit einem Ring aus Schösslingen.

Ein klarer, grasfreier Kreis um den Stamm reduziert Schäden durch Rasentrimmer und Rasenmäher – ein häufiger Auslöser für Basistriebe. Eine einfache Mulchschicht aus Holzhäckseln oder kompostierter Rinde hält Feuchtigkeit und schützt die Rinde vor Anstößen.

Ruhiges, gleichmäßiges Wachstum erzeugt meist weniger Schösslinge als Stress-und-Schub-Zyklen, bei denen ein Baum zwischen Trockenheit und starker Düngung hin- und hergerissen wird.

Ausgewogener Dünger, regelmäßiges Gießen in Trockenperioden und ein sanfter, durchdachter Schnitt verringern den Drang des Baumes, „Notwachstum“ zu produzieren. Vermeiden Sie beim Schneiden extrem harte Rückschnitte ins alte Holz, außer wenn es aus Sicherheits- oder Aufbaugründen nötig ist.

Noch weiter gedacht: Wann ein Schössling sogar nützlich sein kann

Nicht jeder Schössling muss sofort weg. In manchen Fällen kann ein kräftiger Trieb der Unterlage helfen, herauszufinden, welche Unterlage Sie haben – Blattform und Wuchsstärke geben Hinweise. Profis heben manche Schösslinge sogar aus und nutzen sie zur Vermehrung neuer Unterlagen für die Baumschule.

Für die meisten Hobbygärtner bleibt das eher experimentell. Dennoch kann ein wüchsiger Unterlagentrieb als Lehrstück dienen: Vergleichen Sie seine Blätter und sein Wachstum mit der veredelten Sorte darüber – so schärfen Sie Ihren Blick dafür, was zu Ihrem Baum gehört und was nicht.

Verwandte Risiken und Chancen im Haus-Obstgarten

Die Schösslingskontrolle gehört zu weiteren Entscheidungen, die einen kleinen Obstgarten prägen. Dieselbe Aufmerksamkeit am Stammfuß hilft Ihnen, auch Schädlinge, Pilzkrankheiten, Sonnenbrand an der Rinde oder Wildschäden früher zu erkennen.

Manche Gärtner nutzen ihre jährliche Schösslingsrunde, um gleichzeitig Früchte auszudünnen, Astwinkel mit kleinen Gewichten oder Bindern zu korrigieren oder zu prüfen, welche Bäume ihren Platz wirklich verdienen. Ein Baum, der ständig Schösslinge macht, mit dem Boden kämpft und schlecht trägt, passt möglicherweise nicht zum Standort. Eine Neupflanzung mit besser geeigneter Unterlage kann Jahre Frust ersparen.

Zum Schluss: Verschiedene Arten verhalten sich unterschiedlich. Pflaumen schossen nach Wurzelschäden oft stark, während manche schwach wachsenden Apfelunterlagen relativ ruhig bleiben. Ein einfaches Notizbuch mit Daten zu Schösslingsentfernung, Schnitt und Ernteergebnis liefert Ihnen über einige Saisons hinweg eine persönliche Anleitung, wie jeder Baum reagiert – und wie konsequent Sie „an seinen Füßen“ eingreifen müssen.

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